Die dramatische Situation an den Märkten wird von der Fachpublikation „Pack Aktuell“ thematisiert:

Die europäischen Kunststoffverarbeiter haben zum Teil grosse Probleme in der Rohstoffversorgung. Darauf weist der Verband der europäischen Kunststoffverarbeiter hin, die European Plastics Converters Association (EUPC) in Brüssel. Auch Schweizer Hersteller von Kunststoffverpackungen sind betroffen, wie aus der Branche zu hören ist. Die Probleme sind Folge der zahlreichen Force-Majeure-Erklärungen, mit denen einige der grossen Polymer-Hersteller in den vergangen Wochen ihre Lieferprobleme begründet haben. Betroffen sind vor allem die Kunststoff Polyethylen und Polypropylen.

Die von den Kunststoff-Konzernen geltend gemachten Lieferprobleme schädigen die Branche, so die EUPC. „Wir erhalten Berichte von unseren nationalen Verbänden, von Compoundern und Verarbeitern, dass sie kaum ausreichende Mengen von Polymer beschaffen können und nun Schwierigkeiten haben, die vertraglichen Verpflichtungen gegenüber ihren Kunden zu erfüllen“, sagte Alexandre Dangis, Geschäftsführer der EUPC.

Deutlicher wird der deutsche Kunststoffverband IK Industrievereinigung  Kunststoffverpackungen, der in einer heute veröffentlichten Pressemitteilung unter anderem schreibt: „… da die grossen Rohstofflieferanten sich zurzeit nicht mehr in der Lage sehen, ihre vertraglichen Verpflichtungen gegenüber den Verpackungsherstellern einzuhalten. Bereits zugesagte Lieferungen werden storniert. Wenn Lieferungen erfolgen, verlangen die Rohstofflieferanten hierfür massive Preisaufschläge und das bei weiterhin sehr moderaten Rohölkosten. Ein Ende dieser Preisspirale ist nicht absehbar.“

Ein   wesentlicher Grund für die Rohstoffverknappung   liegt laut IK in den Force Majeure-Meldungen. Diese seien in den letzten Wochen europaweit wie eine „Epidemie“ von den Rohstoffproduzenten verbreitet worden. Diese Meldungen hätten bisher keine detaillierten Informationen enthalten. Damit lasse sich nur schwer eine Bewertung zu, ob die Bedingungen für ein Force Majeure auch wirklich erfüllt seien.

Das Vorliegen eines Force Majeure setzte höhere Gewalt voraus, also ein Ereignis, das von aussen kommt und in keinem betrieblichen Zusammenhang stehe. Die blosse Geltendmachung von „Störfällen“ oder „technischen Problemen“ reiche hierfür regelmässig nicht aus. Solche Ursachen würden allein in der Risikosphäre des Rohstofflieferanten liegen. Die kaufmännische Sorgfaltspflicht verlange in diesen Fällen das Vorhalten entsprechender Lagerkapazitäten.

Die jetzige Rohstoffverknappung und Preisexplosion stellt laut IK die meist mittelständischen Kunststoffverpackungshersteller vor grosse Probleme. Durch den hohen Rohstoffkostenanteil von bis zu 70 Prozent bei Kunststoffverpackungen würden existenzgefährdende Margenverluste drohen.

„“Dies ist besonders schädlich in einer Zeit, in der viele EU-Staaten versuchen, ihren Weg zurück zum Wachstum zu finden und insbesondere die Kunststoffindustrie in der EU das Potenzial hat, an der  der Spitze der Wachstums zu stehen.“, sagt dazu Alexandre Dangis, Geschäftsführer der EUPC. Zudem könnten  die durch Force Majeure bedingten Lieferprobleme dazu führen, dass Kunststoff-Verarbeiter Europa verlassen und in Asien produzieren, wo auf den ersten Blick eine günstigere Polymerversorgungslage besteht.

Infos zur EUPC 

Die EUPC ist der Fachverband der europäischen Kunststoffverarbeiter mit Sitz in Brüssel. Mitglieder im EUPC sind 51 nationale und europäische Industrieverbände der Kunststoffverarbeitung. EUPC repräsentiert knapp 50.000 Unternehmen, die mehr als 45 Millionen Tonnen Kunststoffprodukte pro Jahr herstellen. Die europäische Kunststoff-Industrie beschäftigt mehr als 1,6 Millionen Personen und erzielt einen Jahresumsatz von mehr als 300 Mrd. Euro.

Link: www.plasticsconverters.eu

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